Re: BDX33B und BDX34B: Kann ich sie verwenden?

Knolles ELEKTRONIK Forum

Geschrieben von Theodor Wadelow am 03. Januar 2010 19:26:55:

Als Antwort auf: BDX33B und BDX34B: Kann ich sie verwenden? geschrieben von Andre am 03. Januar 2010 10:51:07:

Hallo,
>Ich möchte meinen Kenwood KR-A4020 reparieren.
> Zwei Endstufen wurden ausgetauscht, aber nicht angeschlossen. Es handelt sich dabei um
> BDX33B
> BDX34B
Handelt es sich um zwei Endstufen oder zwei Endstufenstransistoren einer Endstufe ?


Die Originale sind
2SD2255
2SB1493
Alle sind 70W-Transistoren, allerdings mit unterschiedlichen Angaben.
Der 2SD2255 hat eine "Kollektor-Basis-Spannung" von 160V, der BDX34B lediglich -80V.
Ähnlich verhält es sich mit der "Kollektor-Emitter-Spannung": 2SD2255 hat 140V, der BDX34B hat -80V.
Was hat das zu bedeuten und kann ich die BDX33B und BDX34B trotzdem anschließen?
Auf was muss ich achten?

Die Spannungen sind nicht alles.


Aber erstmal: Wieviel Versorgungsspannung hat der Verstärker denn (gemessen!) zwischen (ich vermute) +UEndstufe und -UEndstufe ?
Wenn das "nur" 70V sind, dann könnten die 80V Typen BDX33B/BDX34B reichen. Da sind dann nur 10V Reserve, aber gehen könnte das.
Besser wäre von diesem Standpunkt aus natürlich BDX33C/BDX34C (mehr Spannungsfestigkeit; siehe Datenblatt), aber ich weiß natürlich, daß das Leben nicht immer ein Wunschkonzert ist.

Du mußt aber auch noch die Verstärkung der Transistoren berücksichtigen.


Dabei it der Wert "hFE" ausschlaggebend. Der Kollektorstrom IC eines gesättigten Transistiors ist etwa IC = hFE · IB; wenn IB der Basisstrom ist.
Datenblätter bekommst Du für alle Typen z.B. auf www.alldatasheet.com . Und dann vergleiche mal: die 2S-Typen haben das hFE-Maximum bei ca. 2A IC und hFE = 10000 ; die BDX-Typen haben bei 2A aber "nur" ca. hFE=4000.
Ich weiß nicht, wie der Verstärker gebaut ist, aber ich vermute, daß ein solcher Unterschied zu Problemen führen wird, wenn die Ersatztransistoren weniger Verstärkung bringen als die Originalen.

Mit fällt auch auf, daß das Gehäuse (2S...:TOP3 ; BDX...: TO220) erheblich abweicht, das ist nicht sehr schön zu montieren.

Vielleicht versuchst Du das Pärchen BDW83D / BDW84D ? Das scheint mir auf den ersten Blick mit Spannung, Verstärkung und Gehäuse besser geeignet. Erhältlich zumindest bei reichelt.de

Schließlich ist in jedem Falle ein ordentlicher Abgleich des Ruhestromes bzw. Arbeitspunktes jeder Endstufe einzeln erforderlich.
Einfaches Anschalten an volle Versorgungsspannung kann zum sofortigne Tod durch zu hohen Ruhestrom bei einer nicht ordentlich abgeglichenen Endstufe führen. Deshalb solltest Du Dir eine Möglichkeit verschaffen, die Versorgungsspannung anfangs langsam anlegen zu können. Ein regelbares +/- Doppelnetzteil nennt nicht jeder sein eigen, aber mit etwas Kreativität kann man sich was bauen. Zum Ruhestromabgleich braucht man schließlich auch nicht die vollen Hunderte von Watt des Originalnetzteils.

Tipp: kleine Autobirnen oder Halogenlampen von z.B. 20/21W (Bremslicht) eignenen sich super als "Kurzschlußschutzbirnen", wenn die Endstufe z.B. mit +/-12V getestet wird. Man schaltet je eine mit +U und eine mit -U in Serie und bei einem Fehler bekommt man erstmal nur leuchtende Glühirnen statt rauchenden Transistoren. Mit je 2 Birnen in Reihe kann der Verstärker dann mit +/-24V getestet werden undsoweiter...

Ebenfalls solltest Du prüfen, ob die Vorstufe das Sterben der alten Endstufentransistoren überlebt hat. Sonst kann es sein, daß eine eine defekte Vorstufe die Endstufe gleich beim ersten Test wieder killt. Der einfachste Weg ist, auch die Vorstufentransistoren auszulöten und mit einem Diodentester auf Korrrekte 0,4..0,8 V an Basis-Emitter- und Basis-Kollektor-Strecke zu überprüfen.

Die Transistoren würde ich an deiner Stelle in allen Endstufen identisch Ersetzen, damit dann alle Kanäle das gleiche Verhalten zeigen. Das natürlich nur machen, wenn das Ersezzen in der ersten Endstufe erfolreich ist.

Über (erfolgreiche) Rückmeldung hier im Forum freue ich mich natürlich immer ;)
-Theo

Antworten:

Knolles ELEKTRONIK Forum

| ©www.HobbyElektronik.de | ©Knolle_P | (©Oliver Pering) |