Re: Frage zur Phantomspannung

Knolles ELEKTRONIK Forum

Geschrieben von Theodor Wadelow am 22. Juni 2010 23:13:00:

Als Antwort auf: Re: Frage zur Phantomspannung geschrieben von Pyrgus am 20. Juni 2010 10:05:01:

Hallo,
> Und mich interessiert auch bei der Phantomspannung, warum sind es 48V, ist das genormt oder "Zufall", ist dort irgendwelche Elektronik verbaut, die eine solch hohe Spannung braucht?
> Macht man das, um möglichst hohe Signalpegel zu haben?
Nunja, bei einem Kondensatormikrofon ändert sich die Kapazität C = Q / U des Kondensators im Mikrofon.
Bei einer Halbschwingung der Membran tritt dann eine Kapazitätsänderung dC des Kondensators ein. In der Folge fließt die Differenzladung dQ durch die Leitung des Mikrofons. Bei einer gegebenen Zeit (z.B. 1/2000 Sekunde für eine Halbschwingung bei 1 kHz) kannst Du so den resultierenden Strom I = dQ / dt ausrechnen.
Wenn am Kondensator nun U groß wird, dann wird auch die bewegte Ladung dQ groß (dC ist ja immer gleich und nur durch die Geometrieänderung der Membran durch den Schall bedingt, deshalb muß sich dQ ändern) und so auch der Strom dI.
Damit macht viel Spannung am Kondensator tatsächlich "viel Signal"

48 V dürfte ein Kompromiß aus Sicherheit für die Benutzer (z.B. U<=42 V ist "Schutzkleinspannung"), Verfügbarkeit von Komponenten (viele Industrielle Geräte arbeiten mit 48V) und Tradition sein. Auch sollte im "Fehlerfall" nicht allzuviel passieren, z.B. wenn der Sprecher ins Mikrofon spuckt. Dazu ist der Membranabstand dann auch möglichst gering wählbar sein (großer Kapazitätseffekt dQ), aber die Betriebsspannungen dürfen da selbst bei hoher Luftfeuchte und geringem Membranabstand (tritt periodisch bei lauten Signalen auf) nicht zum Überschlag führen
-Theo

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